Farai – Rebirth

Ju hat sich mal dieses interessante Projekt von Sängerin Farai und Produzent TONE auf Big Dada genauer angehört.

„Times are hard in the ends, man!“ So klagt Farai in der ersten Singleauskopplung „This is England“ ihres Debut-Albums „Rebirth“ die Situation im London des bevorstehenden Brexit an. Über die düster treibende Kick und den unheilschwangeren Synthesizer richtet sie ihre Wut (und wohl die vieler in England) gezielt an das Establishment: ”Miss May, who‘s to blame […] for all this fuckery?” Sich stetig intensivierend steigert sich die Stimmung, kippt dennoch nie über.Wird nie unkontrolliert hysterisch. Immer bewusst roh und blechern.

Das Album strotzt vor (Post-) Punk-Attitüde. Die wütenden Lyrics prangern die soziale und politische Situation des heutigen Englands an. Gleichzeitig ist es gespickt mit Elektronik und Hip-Hop Elementen, so dass es in die East Ends passt wie die beiden Künstler selbst. Soundtechnisch ist das Album getrieben vom analogen Sound von TONE, mit dem Farai seit ihrem musikalischen Debut 2017 zusammenarbeitet und der die Lyrics in eine rohe, expressive Klanglandschaft bettet, die einem die Message ins Gesicht drücken. Ohne Kompromisse.

Passend ins Zeitalter von Fake News und orangefarbenen Clowns mit kleinen Händen proklamiert sie zu Beginn der Scheibe „Opinions are not facts“ einem Mantra gleich. Dem folgt ein höhnisches „God bless the Queen!“. Ganz in der Tradition englischer Punkbands.

Das ist Musik, die nicht schön sein will. Nicht schön sein muss. Musik mit einer Message, die stark ist wie die Stimme Farais. Sie steht repräsentativ für die Vorstadt. Die Boroughs, die sich alleingelassen fühlen von den Reichen und Mächtigen. Bewusst reduziert aufs wesentliche und stets durchdacht balancierend auf dem Grat zwischen Musikalität und expressiver Stimmgewalt. Arte würde sagen: Das ist Kunst. Und das ist es auch.

Das Album ist seitdem 30.11.2018 als LP oder CD über Big Dada (inkl. digi Download) erhältlich. Ansonsten lässt es sich über die üblichen Anbieter streamen und erwerben. Das Artwork des Albums stammt übrigens von Haribo Cosmo Jones.

Auf Bandcamp ist dieScheibe aus gelbem Vinyl bereits ausverkauft. Bei Big Dada und anderen Shops ist die Ausgabe aber noch zu bekommen. Aufgrund des Erfolgs ist ein Repress (diesmal in schwarz) ebenfalls bereits angekündigt.


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