Tape Check #5

Es gibt wieder neue Kassetten zu besprechen.

Letzens empfahl ich euch erst die Muslimgauze Kassetten auf dem Label Staalplaat, da findet sich schon das nächste großartige Release dort. Beim Stöbern stieß ich nämlich auf das Red Tape des niederländischen Ambient Kollektivs CHI. Seit über 30 Jahren machen Hanyo van Oosterom, Jacobus Derwort und Michel Banabila Musik. Vor einigen Jahren begannen Aufnahmen für ein neues Album. Jedoch erblickte dieses nie das Licht der Welt. Hanyo van Oosterom setzte sich dann im letzten Jahr nochmal an das Material welches nun auf Kassette erschienen ist. Nach dem Ableben von Jacobus Derwort bildet The Red Tape Sessions die letzte Zusammenarbeit aller drei Künstler. Auf dem Tape erwarten uns über 40 Minuten feinster Ambient Atmosphären. Ambient hören ist für mich immer wie Urlaub für den Kopf. Augen zu, sich vollkommen auf die Klangwelten einlassen und in eine andere Welt reisen. Genau das tut der Sound auf dieser Kassette. Field recordings ergänzen sich mit elektronischen und organischen Klängen und entwickeln mit der Zeit auch rhythmische Flächen. Die abstrakte Soundwelt bleibt dabei immer stimmig und hält den Hörer in ihrem Bann, während er in eine exotisch düstere Welt aus unzähligen Inseln, Wasserfällen und tiefen Urwäldern gezogen wird. Bereit für den Trip?

Für Freunde tief atmosphärischen Ambients ist das Red Tape eine klare Empfehlung. Die Kassette ist auf 100 Stück limitiert und es gibt noch Kopien direkt bei Staalplaat.

Order CH I – Red Tape Sessions at Bandcamp

Moniker Eggplant sind wieder da! Das sympathische Label aus Berlin mit Vorliebe zur Aubergine meldet sich seit fast 3 Jahren zurück. Das erste Release bringt uns eine auf 50 Stück limitierte Kassette eines mir bisher unbekannten Künstlers. Das Cover der PCIA EP überzeugte mich dabei so weit, dass ich das Tape blind gekauft habe. Und wie hat mich dann der Sound des dänischen Musikers Joakim Moesgaard umgehauen. Sein Stil ist eine Mischung aus Breaks, Electronica, Ambient und ist sehr experimentierfreudig. Dabei zeigen sich viele Facetten, die sich im Laufe eines Tracks teilweise nur im Moment offenbaren. Mir gefallen dabei vor allem die tollen Drum Arrangements welche den Produktionen einen schönen Drive geben. Joakims Tracks bauen sich teilweise dramatisch auf und erreichen einen Peak der an psychedelische Trips erinnert (Höre Merveille). Insgesamt 6 Tracks findet man auf der PCIA EP. Vor allem die Liebe zum Detail und der Verzicht auf klare Songstrukturen der mich an Free Jazz erinnert macht dieses Release zu einem besonderen Klangerlebnis mit einem enormen Wiederhörwert. Besonders ist auch Moniker Eggplants Liebe zur Aubergine. Beiliegend zum Tape gibt es ein liebevoll gestaltetes Kochbüchlein mit leckeren Rezepten samt einem Auberginen Samen zum Einpflanzen.

Tip!

Order Joakim Moesgaard – PCIA EP at Bandcamp 

Meine nächste Entdeckung ist ein kleines Kassettenlabel aus Leipzig. Seit 2019 werden auf Prepaid Records limitierte Mixtapes und offizielle Releases veröffentlicht. Kürzlich bin ich über diese Kassette von Yolabmi aus Japan gestolpert. Auch hier werden wir in abstrakte Soundwelten entführt. Die Atmosphäre auf Ordinary Days wechselt zwischen 8 Bit Synthesizer Sandstürmen wie auf Last Night und tiefen Ambient Ausflügen wie auf Future Is Now. Teilweise wirken manche Momente zu weit draußen und sind nur schwer zu (be-)greifen, geben aber im Gesamtbild von Ordinary Days Sinn. Der Track yves z.B. klingt wie das lebendig gewordene Innenleben eines Getränkeautomaten welcher an einer stillgelegten U-Bahn Station steht. Weirde Klangflächen erwecken weirde Assoziationen und hier gibt es einige solcher Momente. Abgerundet wird die Kassette mit einem sehr schön gestalteten Artwork welches Yolabmis Sound visuell gut rüberbringt.

Die Kassette ist auf sage und schreibe 40 Stück limitiert und ihr könnt immernoch eine Kopie direkt beim Label bekommen. Wer elektronisch komische Soundexperimente mag, sollte hier aufjeden Fall mal reingehört haben. 

Order Yolabmi – Ordinary Days at Bandcamp

Was wäre ein Tape Check ohne eine neue Kassette von Limbo Tapes? Mit Shape Shifting Creatures Of Limbo kommt das Label aus Bristol zurück und läuft hier momentan auf Dauerschleife. Bekannt für superbe Compilations bildet das neueste Release eine Sammlung an Remixen bekannter und weniger bekannter Tracks aus dem Limbo Universum. So darf man sich hier auf Neuinterpretationen von Titus 12, Om Unit, Hartta oder O$VMV$M freuen. Dem signifikanten Stil aus Dubwise, Downtempo und Lofi wird dabei treu geblieben. Von Om Units treibenden Remix zu Dive Reflex Services Harvester Seance zum intensiven Eusebeia Remix zu Lupo und Coyotes Banshees Toot, besteht die ganze Kassette aus vielen kleinen Highlights die in sich sehr stimmig und für Fans des Labels ein Muss sind. Auch optisch überzeugt das Release wieder auf ganzer Linie. Besonders cool diesmal ist, dass die Kassette eine Art Kombinationsspiel enthält. Zerschneidet man das Inlay an den vorgegebenen Linien, kann man lustige und abgedrehte Kreaturen aus der Welt von Limbo Tapes zusammenlegen.

Die Compilation ist auf 120 Kassetten limitiert. Bei Interesse solltet ihr euch also beeilen, denn Limbo Tapes sind inzwischen sehr begehrt und meist schnell weg. Momentan könnt ihr noch direkt auf deren Bandcamp Seite ein Exemplar ergattern.

Order Shape Shifting Creatures Of Limbo at Bandcamp

Text: Dubby T.

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