Zum Inhalt springen

dotBass Interview Special Part 1 – Oakin & D-Man

Jules und Ju waren letztens beim dotBass in Nürnberg und haben dort mit einigen coolen Leuten gesprochen. Los geht’s mit dem ersten Teil. Checkt das entspannte Gespräch mit Oakin (Nico) und D-Man (Chris), die maßgeblich an der Orga dieses Events beteiligt sind und selbst Mucke machen.

BCSM: Hallo zusammen. Wir sitzen beim dotBass Festival 2023 in Nürnberg mit Nico und Chris aka Oakin und D-Man aus dem dotBass-Orgateam. Für alle unsere Leser*innen, da draußen an den Geräten: Wer seid ihr und was macht ihr? Stellt euch doch mal vor. 

Nico: Wie du schon gesagt hast, ich bin Nico, Oakin. Mittlerweile schon seit über zwanzig Jahren am Auflegen. Club Veranstaltungen organisiere ich seit fünfzehn Jahren und wir haben uns damals tatsächlich über Reggae / Dancehall Partys kennengelernt. Das war so unser gemeinsamer Einstieg. 7 Inch Collection Connection. 

Später haben wir Dubstep für uns entdeckt, dann die Bassdusche-Veranstaltungsreihe in Nürnberg gestartet und so hat sich dann das Eine zum Anderen entwickelt. 

BCSM: Bassdusche finde ich immer noch einen der besten Veranstaltungsnamen.

Chris: Dankeschön. Mein Name ist Chris aka D-Man und wir sind Veranstalter, DJs, Promoter, Radiomoderatoren. Ich mache seit 2001 eine Radiosendung in Nürnberg, die hier auf einem freien lokalen Sender (Radio Z) ausgestrahlt wird; jeden Samstag seit 1987 und ich bin seit 2001 Teil der Show. Wie Nico schon gemeint hat, war unser gemeinsamer Einstieg hauptsächlich Reggae / Dancehall. Wir sind dann abgeschweift über Dubstep, Bass, Future Bass auf unserer Veranstaltungsreihe und aus der ganzen Nummer ist dann mehr oder weniger dieses Festival entstanden. Also ich kann mich noch entsinnen, dass wir gechillt haben und am reasonen waren, wie es mit Veranstaltungen weitergeht, nachdem unsere Veranstaltungsreihe im K4 zu Ende gegangen ist wegen Renovierungsarbeiten. 

Schön ist: die Venue macht jetzt zum Anfang des Jahres wieder auf, nach drei oder vier Jahren Renovierung. Genau so hat sich quasi auch dieses Bass Festival in Nürnberg entwickelt. 

BCSM: Das Festival ist ja ein sehr breit aufgestelltes Bassmusik Festival, was wir alle wunderbar finden. Es gibt jetzt nicht so viele Veranstaltungen in Deutschland, die so ein Facettenreichtum haben. Meistens ist’s halt ein Roots-Dance oder eine Dubstep- oder Drum & Bass Party und es gibt relativ wenige Veranstaltungen, abseits von Outdoor Festivals, die eben die komplette Bandbreite abbilden. Deswegen: Wie kam die Idee für das dotBass Festival? 

Nico: Gestartet haben wir vor acht Jahren, wenn ich es richtig im Kopf habe. Zu der Zeit waren in Nürnberg viele Crews vernetzt, auch über die einzelnen Genres hinaus. Wir haben angefangen, in der Kulturkellerei (K4) eine Veranstaltung mit zwei Floors zu machen, um auch wirklich querbeet viele Genres zu bedienen. Dann war so eine Initialzündung tatsächlich auch mit Simon, der damals Education in Dub mitorganisiert hat. 

Wir hatten beide den Wunsch, Mungos Hifi nach Nürnberg zu holen. Aber kriegen wir genug Leute gezogen, wenn wir das klassisch hier im Z-Bau auf nur einem Floor machen? Irgendwie ist dann auch daraus so ein bisschen die folgende Idee entstanden: Ey wir trommeln einfach möglichst viele lokale Crews zusammen mit ein, zwei (internationalen) Headlinern. Wir haben rumgefragt und das Feedback von den Crews war total positiv. Dann haben wir gemerkt, das sind so viele Crews, die bekommen wir alle gar nicht an einem Tag unter, da braucht man noch einen zweiten Tag. Und so schnell hat man einen Weekender mit zwei Headlinern zusammen, Mungos Hifi und Dope Ammo waren es im ersten Jahr. Ja und so hat das ganze dann irgendwie seinen Lauf genommen und sich über Jahre entwickelt.

BCSM: Jetzt haben wir schon ganz viel gehört über das dotBass Festival, was ausnahmslos immer das erste Wochenende im November stattfindet. Korrekt? 

Chris: Ja.

BCSM: Inzwischen gibt es auch eine Sommer Edition draußen im Z-Bau Biergarten. Es gab auch das Tieffrequenz Festival. Gibt es noch weitere Pläne für die Zukunft? dotBass goes somewhere zum Beispiel?

Nico: Tatsächlich bisher noch nicht. Die Sommer-Edition war auch mal ein Testlauf dieses Jahr. Der Z-Bau hat vier Ausnahmegenehmigungen im Jahr, auch den Hof etwas lauter zu beschallen und da haben wir eben ein Date bekommen. Das ist sehr gut gelaufen und ich denke, wir werden es auch im nächsten Jahr wieder machen. Grundsätzlich haben wir jetzt so keine weiteren Pläne, aber wir sehen ja, wie das hier erfreulicherweise von Jahr zu Jahr wächst und irgendwie immer bekannter wird. Auch deutschlandweit und so bisschen über Deutschland hinaus. Es gibt einige Leute, die einfach mal fürs Wochenende vorbeikommen, weil es zu dieser Jahreszeit so etwas mit Festival Charakter einfach nicht gibt: Zwei Tage hintereinander und vielleicht auch inhaltlich. 

Wo wir Lust haben uns mehr hin zu entwickeln, ist das Thema Workshops, Dokus zeigen und so weiter. Also auch noch ein bisschen Tagesprogramm zu etablieren. Das scheitert meistens an den Ressourcen. Da muss eben auch noch jemand tagsüber fit sein nach den langen Nächten und sich drum kümmern. Aber letztes Jahr zum Beispiel: Die Iration Steppas Doku, die im Salon gezeigt wurde, auf dem Anaconda Soundsystem, was total gut angekommen ist. 

Ich denke, das ist etwas, wo wir in Zukunft auch ein bisschen mehr diesen Culture-Aspekt einbringen wollen und den Leuten zeigen wollen, dass nicht nur Party und Feiern geht, sondern, dass das eine Kultur ist, die uns wichtig ist. 

Chris: Richtig, “each one, teach one”. Also, als Workshops für dieses Jahr war eigentlich ein Dub-Sirenen DIY Workshop geplant. Aber wie gesagt, da fehlt es eben an Ressourcen tagsüber. Das wollen wir auf jeden Fall in der Zukunft ein bisschen mehr etablieren. Zukunftsmäßig, was sonst noch geht, da wir, also ich und das andere Drittel von Anaconda: Chris aka Chris-Stylee oder Tuff-Stylee, in Berlin gewohnt haben, wollen wir in Zukunft auch weiterhin auf dem Wassertorplatz, die Fete de la Musique Geschichte machen. Also das hat sich jetzt die letzten zwei Jahre gut bewährt und die Leute, die aktiv am Platz arbeiten und leben, sind auch positiv gestimmt, das weiterzumachen und ich gehe davon aus, dass wir dort auch in Zukunft das an der Fete de la Musique weitermachen können. 

Ansonsten, was ich persönlich noch mehr einbringen möchte, um das Soundsystem zu nutzen, ist der politische Aspekt. Die politischen Bewegungen auch bei uns im Land, vor allem in gegen Richtung rechts. Irgendwie will ich das Soundsystem tatsächlich für politische Aktivitäten noch nutzen, um in Zukunft ein bisschen mehr Flagge zu zeigen. Mit so einem Sprachrohr, wie einem Soundsystem, muss man einfach ein bisschen gegen diese ganze braune, rechte Suppe schießen, also bassen in dem Fall. Genau so ist es.

BCSM: Big up! Obacht, schwierige Frage… [alle lachen] Was ist euer alltime Highlight aus den vergangenen Jahren dotBass? 

Nico: Ich habe so viele… Für mich war es Mala. Weil Mala mich einfach jedes Mal wieder mitnimmt und verzaubert mit seinem Vibe und auch hier so ein Set abgeliefert hat und ich glaube auch eine halbe Stunde länger gespielt hatte und gar nicht mehr aufhören wollte. Mala auf Jah Chalice war einfach perfekt. Wer mich letztes Jahr auch total mitgenommen hat, obwohl ich nicht der riesige Drum & Bass Head bin, war DJ Marky und MC GQ, mit so brazilian Drum & Bass Flavor und einem krassen Turntableism-Style. Also es war wirklich schön zu sehen “okay, das kann auch Drum & Bass sein”. Das hat mich schon sehr beeindruckt. 

Dadurch, dass es ja alles wirklich Wunsch-Bookings sind, die schon seit vielen Jahren auf der Wunschliste stehen, ist eigentlich jede einzelne Person ein Highlight und es hat noch kein Gast in irgendeiner Form enttäuscht, sowohl vom Sound als auch menschlich. Egal wen wir hier eingeladen haben, die Leute haben sich wohl gefühlt. Der Vibe hat sofort gestimmt und alle haben das glaube ich auch mit rausgetragen und es hat sich schon bei den Bookingagenturen rumgesprochen, dass das ein geiles Festival ist und Artist Care und die ganzen Aspekte drumherum gut funktionieren und uns deswegen schon öfter auch Bookingagenturen anschreiben, ob wir Bedarf haben. 

BCSM: Wenn eine Bookingagentur euch anfragt, gibt es dann auch so einen Treffer, wo du sofort angefixt bist und sagst “ja geil hatte ich vielleicht nicht direkt auf dem Schirm oder nicht auf der Liste stehen aber go for it”. Oder ist es eher das Gegenteil?

Nico: Es war schon oft tatsächlich so für die Drum & Bass Heads, die auch in der Orga-Gruppe sind. Da gibt es ein paar wirklich große Agenturen, die einen krassen Rooster haben, und da ist einfach viel geboten und wenn man weiß mit der einen Agentur funktioniert es, die ganze Kommunikation ist auch besonders gut, dann macht man es auch gerne wieder. Zum Beispiel Synchronicity noch eine kleine Agentur, wo auch EVA808 dabei ist. Mit denen haben wir letztes Jahr auch die Innamind / SYSTEM Label Night gemacht und Nikki, mit der ich da schreibe, ist eine super sympathische Person, bei der du auch merkst, da ist Herzblut dabei. Da geht es nicht nur um Vertragliches und Geschäftliches. Die haben mittlerweile auch Flowdan dabei und ganz viele interessante Female Artists. Also wenn man dann so eine Agentur hat, bei der man merkt, dass sie maximal unkompliziert ist, dann guckt man sich auch nochmal an, wer alles bei der Agentur ist und tendiert dann auch im nächsten Jahr dazu, es wieder zu machen und einfach langfristig zusammen zu planen. Ach und du, D-Man, musst noch deine Highlights verraten. 

Chris: Oh ja, jetzt sind wir schon zu Agentur-Highlights, abgeschweift. Für mich gibt es eigentlich kein einzelnes Highlight. Nein. Das ist eigentlich so auch das ganze Wochenende, dass man mit vielen Leuten, vielen Freunden zusammenkommt. Gemeinsam etwas schaffen und es ist so ähnlich wie das, was auf der Fusion/Rootsbase passiert. Eine Community. 

Das schöne ist, dass es bei uns hier in der Stadt entstanden ist, aus Leuten, wie Nico schon gemeint hat, von verschiedenen Genre Backgrounds her. Da gibt es auch ein paar Leute, die auch bei Radio Z Sendungen machen und sich daher schon kennen und ein bisschen vernetzt sind. Wenn es sich ergibt, gibt es dann auch ab und an mal Veranstaltungen mit zwei Floors, wo unterschiedliche Mucke läuft. Ansonsten sind für mich eigentlich, wie Nico schon gemeint hat, alle Gäste, die wir haben, Highlights. Wir buchen ja niemanden, den wir nicht sehen wollen, sondern schon Leute, auf die wir Bock haben und denen wir eine Plattform geben wollen und wo wir auch sehen, dass die Leute, wenn sie an dem Abend kommen auch Spaß haben.

BCSM: Nico, du hast gerade Female Artists erwähnt und dieses Jahr spielt ja auch EVA808. Eines meiner Highlights dieses Jahr und zum Beispiel für unsere Basscasts versuche ich vermehrt Female Artists, Female Sounds und Kollektive anzuschreiben. Weil mir aufgefallen ist, dass die Basscasts einfach eine Sausage-Party sind. Wie ist das aus eurer Sicht als Festival Veranstalter?

Nico: Auf jeden Fall ein Thema in der Orga, über das wir immer reden und auch gucken, wie wir die lokalen Female Artists mehr mit ins Boot holen. Es ist uns aufgefallen, dass sie selten in Crews sind und wir machen es normalerweise so, dass die Slots immer von Crews bespielt werden und nicht von einzelnen DJs. Wir haben deswegen auch in diesem Jahr noch mal mehr gemacht und z.B. SubTon featuring female Artist. So dass wir sie auch nochmal gezielt einladen. Grundsätzlich ist das Thema total auf dem Zettel. Wir haben gemerkt, wir hätten total viele interessante Upcoming  artists, so kleinere bookings, die aber nur ein paar Heads kennen und wir haben gemerkt, bei dotBass ist es schon wichtig mit den großen Namen zu kommen, um auch richtig Leute zu ziehen und da sind wir immer auf der Suche nach female Artists, die auch wirklich schon bekannt sind, um diesen Headliner Status zu haben. Was irgendwie auch wieder blöd ist, weil man genau die nicht zu bekannten eigentlich supporten will und denen eine Bühne geben möchte. Aber es wird definitiv thematisiert und wir reden da viel drüber und wollen das auch noch mehr pushen, ohne jetzt zu sagen: Es ist ein Abend auf einer Bühne, wo nur Female Artists spielen, sondern dass es ganz normal ist, dass Female Artists dabei sind. In diesem Jahr bei uns gestern mit Anaconda hat es leider nicht geklappt aus Krankheitsgründen. Aber auch, dass viele Sängerinnen noch am Mic sind. Mehr davon auf jeden Fall. 

Chris: Ich kann mich da Nico auch nur anschließen. Das ist ein ständiges Thema in der Orga. Ich war auch schon so aus meiner persönlichen Sicht heraus, okay, auch einmal einfach nur ein Festival mit female Headlinern zu machen. Ich bin immer eher für Female und Omega Power. Ich denke, dass wir da auch auf einem guten Weg sind. Nico hat schon diese Crew Geschichte erwähnt, dass einzelne DJanes jetzt unterwegs sind und dann vernetzt werden, auch durch uns oder durch diese Plattform. Wodurch sich dann auch wieder neue Türen aufmachen und Chancen. Jahyoka zum Beispiel, die kann ich hier jetzt nennen. Die ja quasi auch in so einem Zustand ist (ohne Crew), aber heute Abend zusammen mit SubTon performt. Solche Künstlerinnen kann man dann auch einfach durch so eine Veranstaltung pushen. Und das muss man pushen, weil wo soll man’s machen, wenn nicht auf irgendwelchen Veranstaltungen? Zu Hause kann das jeder für sich machen. Aber wenn du Bock hast, wirklich auf einer schönen Anlage zu zocken und deine Energie mit den Leuten zu teilen, dann ist das auf jeden Fall eine wichtige Sache, die gemacht werden muss. 

Wenn ich noch einwerfen darf: Dazu zählen jetzt nicht nur female DJs, sondern auch diverse DJs, die unterwegs sind. Wir haben auch bei vergangenen dotBass Festivals mit der Trouble in Paradise Crew zusammengearbeitet, die sehr divers aufgestellt ist, was den Sound und was Diversität der Geschlechter angeht. Das ist natürlich auch ein Ding, was wir in Zukunft weiter pushen wollen. 

BCSM: Gestern haben wir wieder gemerkt: bei internationalen Bookings läuft nicht immer alles so wie man es gerne hätte und irgendwelche Flüge o.ä. machen einem einen Strich durch die Rechnung. In der Planung und Umsetzung von Musik Events gibt es eben viele Faktoren, auf die man keinen Einfluss hat. Durch welche Herausforderung hattet ihr bisher den größten Lerneffekt? 

Chris: Der größte Lerneffekt bei der ganzen Geschichte ist einfach nur gut organisiert zu sein. Wenn du gut organisiert bist, gibt es klar auch höhere Gewalt, die kann man nicht beeinflussen. Wie du schon gesagt hast, gibt es irgendwelche Delays von Flügen und sowas, aber es sind dann Probleme, die entstehen, die man im besten Fall auch lösen kann. Wie jetzt dieses Wochenende mit Flugumleitungen und einem weiteren Weg, den man dann auf sich nehmen muss um die Künstler*innen abzuholen, aber wenn es machbar ist, dann macht man das halt. 

Gut organisiert sein und viel selber machen. Wenn du viel selber machst und in der Hand hast, dann läuft das eigentlich relativ von alleine. Also wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Jede Area hat mehr oder weniger Crews, die sich um Sound, Visuals und Technik und alles kümmern, Küche und Catering und Support und sowas. Von da ist das eigentlich eine funktionierende Crew, die man hat und dann läuft das eigentlich soweit alles. 

BCSM: Zum Thema funktionierende Crew, was gestern im Laufe des Abends aufgefallen ist da weiß ich nicht, ob ihr auch eure Finger mit dem Spiel habt oder ob das immer praktisch die Agentur hier vom Z-Bau ist. Die Security (ohne zusätzliches Awareness Konzept) habe ich super positiv wahrgenommen. Also es war jetzt nicht, wie so oft, dass man wie in anderen Venues irgendwelche krassen Stiernacken vor der Tür hat, die einen lediglich ansprechen und man weiß sofort “okay…bad Vibes”. Ich habe dann auch das Gespräch mit dem einen Türsteher gesucht und habe mich bedankt für den Vibe, den sie drauf haben. Habt ihr da Einfluss drauf oder ist das Z-Bau Arbeit, die da drin steckt? 

Chris: An sich ist die Secu vom Z-Bau angestellt. Es gibt für das Wochenende ein Sicherheitskonzept, in dem vorgeschrieben wird, wie viele Secus in den ganzen Areas oder im ganzen Haus arbeiten dürfen oder sollten. Wir versuchen als Veranstalter am Abend bei der Secu Besprechung auch noch kurz einzuwirken, dass die Secus einfühlsam mit den Gästen umgehen. Das war gestern auch nicht perfekt. Das sind auch nur Menschen, die halt dann auch in ihrem Automatismus drinnen sind, wie man das halt kennt. 

Neue Secus, die sensibilisiert man dann halt einfach mal. Ältere Secus, die schon bei dotBass Festivals waren, die wissen was Sache ist, dass hier nicht so wirklich was passiert und das es eigentlich relativ friedlich und entspannt ab geht. Es passiert natürlich leider auch immer mal wieder was, klar. Davor ist man leider nicht geschützt, auch sexuelle Übergriffe an Frauen. Die passieren, aber nicht in dem Maß, wie das bei anderen Veranstaltungen zum Beispiel häufig passiert und viel Testosteron und Aggro-Vibes am Start sind, aber dafür sind halt so Subgenre Veranstaltungen, wo Dub und Reggae und Drum & Bass gespielt wird jetzt eh nicht so anfällig. Deswegen haben wir nicht so viel Einfluss. Die sind hier schon relativ entspannt unterwegs, was das angeht, aber ansonsten ist das eher schon vom Z-Bau.

BCSM: Wenn ihr nicht Veranstaltungen plant, was treibt ihr sonst so? 

Nico: Meinst du jetzt beruflich oder Hobby oder whatever? 

BCSM: Das was ihr erzählen wollt. [alle lachen]

Nico: Ich treibe Musik und Sport. Das sind für mich zwei wichtige Kraftquellen im Leben. Ich habe auch das Produzieren für mich entdeckt, was natürlich sehr zeitintensiv ist und ich nie in dem Maße dazu komme, wie ich es eigentlich gerne tun würde. Aber ganz ehrlich, ich bin deutlich mehr DJ als Producer. Ich liebe es einfach auch für mich, daheim drei Stunden Session zu machen und ich vergesse alles um mich herum. Da bin ich einfach nur in der Musik und das habe ich früher teilweise vier- bis fünfmal wöchentlich gemacht, dazu komme ich heute nicht mehr so oft. 

Ansonsten Reisen, viel in der Natur sein, das ist so Inspiration und Kraftquelle und einfach wichtig für mich. Mich mit vielen guten Menschen umgeben, das tut mir gut und wo wir, alle aus so einem Wochenende wie dotBass auch die Energie rausziehen. So anstrengend das dann auch körperlich ist, zwei Nächte hintereinander inklusive Auf- und Abbau. Am Ende geht man immer mit einem Plus an Energie raus, ist inspiriert, hat neue Menschen kennengelernt und das ist dieses Community Ding. Dass man auch einfach mal Raum hat zu reden, weil man kennt sich ganz häufig halt aus Clubs und macht so diese drei, vier, fünf Minuten Gespräche neben der Anlage und kennt sich über die Jahre, aber hier isst man am Abend auch mal zusammen und hat tagsüber mal Zeit länger zu reden, sich einfach auszutauschen und auch das Genre-Übergreifen. Dass da keine Scheuklappen da sind. 

Neben Newcomern, ganz jungen DJs, denen wir die ersten Möglichkeiten zum Spielen geben können, ist die alte Schule auch am Start. Wir reden hier von DJs, die fünfzig plus sind und in den Neunzigern schon Drum & Bass Partys geschmissen haben hier in Nürnberg. Eigentlich ergibt sich so eine Spanne von fünfunddreißig Jahren von den Personen, die hinter den Decks stehen. 

Das ist einfach immer schön zu sehen und man macht auch gerade den Jüngeren natürlich total große Freude mit so einer Möglichkeit hier spielen zu können. 

Auch für das Publikum ist unser Ansatz, dass man durch die Räume geht und gerade die Jüngeren, die viel auf Jungle, Drum & Bass Partys gehen und natürlich mit Anfang zwanzig feiern wollen und sich auspowern wollen. Aber auch die bleiben bei so einer Veranstaltung wie dotBass mal vor dem Soundsystem stehen und hören etwas, was sie so noch nicht gehört und vor allem gefühlt haben, was vielleicht eine ganz andere Geschwindigkeit hat als Jungle, Drum & Bass. Ich glaube wir alle haben mal so diesen Aha Moment gehabt, wo wir vor einem Soundsystem gestanden sind, ein Genre wie Dubstep oder so das erste mal gehört haben und zudem erstmalig auf einem Soundsystem gehört haben. Da springt oft der Funke über und die Leute merken “okay die Musik kann auch ganz anders klingen, kann sich ganz anders anfühlen”. Das ist uns mittlerweile schon als etwas ältere Hasen ganz wichtig auch ein bisschen zu educaten und den jüngeren Besucher*innen auch ein Spektrum an Musik zu zeigen. Der Kulturaspekt dahinter… ich glaube da inspirieren wir auch viele Leute damit, auch mal in andere Musikrichtungen reinzuhören und auch mal andere Veranstaltungen zu besuchen. Völlig von der Frage abgeschweift. Aber das wollte ich grundsätzlich mal sagen. So ist für mich auch irgendwie der Kern von dotBass.

BCSM: Du hast gemeint, dass du sowohl gerne in die Natur gehst und auch aus diesen Kollektiven und den vielen Leuten um dich herum, während dotBass, Energie ziehst. Ich glaube auch zu wissen, dass du sehr gerne wandern gehst. Mit dem Rucksack alleine unterwegs. Ist das vielleicht ein Gegenpol: Einsamkeit und Leute um einen herum. Ziehst du aus beidem etwas? Also ich brauche meine Ruhe nach so einem Wochenende. Geht es dir da auch so?

Nico: Ja, absolut, ich bin auch eher der ruhigere, zurückhaltende Mensch und brauche auch absolut Phasen für mich. Ich glaube, das spiegelt sich vielleicht auch ein bisschen in der Musik, die ich produziere. Auch in manchen Mixen, die ich so auf Soundcloud stehen habe, kommt das raus. Ich bin auch so ein Listening-Mensch, der für sich meditaten kann und sich sehr zurückziehen kann und einfach nur mit der Musik ist. 

Es ist mir auf jeden Fall wichtig auch die Zeit für mich zu haben, um zu reflektieren. Ich könnte auch so Event Business nicht in Serie machen. Das bin ich nicht und so funktioniere ich nicht. Lieber dann weniger und dafür mit Herzblut. Das habe ich jetzt über die Jahre auch für mich gemerkt. Weniger ist mehr an manchen Stellen und dann gebe ich mal weiter, was treibst denn du so [Chris]?]

Chris: Quality statt quantity you know. Es gibt da auch Schnittmengen, ich bin auch eher naturverbunden und bin tatsächlich mit dem Rucksack tagelang unterwegs. Also einfach ohne irgendwo anzukommen, alles dabei, ab geht die Post. Eine schöne Balance zwischen dem Alltag, den man in der City hat. Wenn man in der City lebt, so wie ich, und der Aufenthalt in der Natur, dass man sie auch einfach wieder connecten kann mit der Erde, dem Planeten. Ansonsten bin ich beruflich mit dem Fahrrad unterwegs. 

Neben Veranstaltungen gibt es noch die wöchentliche Radiosendung, die ich zusammen mit zwei Kolleg*innen gestalte. Ich hatte von 2019 bis 2021 bei Rototom eine Radiosendung gemacht jeden Sonntag. 

Ein Exkurs zu unserer lokalen Sendung, die in Nürnberg, Fürth und Erlangen im Ballungsraum abgespielt wird. Oldschool über UKW Radio. Also da braucht man schon noch ein Gerät. Wir sind auch digital über DAB+ unterwegs und über den Livestream. Aber wir sind einfach noch ein Oldschool Community Radio. Neben Radio Flora in München das einzige freie Radio in Bayern. Wir sind auch mit Radio Corax connected. Das müsste im Osten sein, Leipzig oder Chemnitz, lass mich nicht lügen. Auch ein freies Radio und die Sender sind auch im regen Austausch. 

Das müsste es in meiner Freizeit eigentlich schon gewesen sein. Quality time with Friends and Family natürlich. In der Natur ein bisschen abklemmen und die Kultur einfach leben so twentyfour-seven. Seitdem ich infiziert worden bin, durch dieses Reggae-Virus, vor über zwanzig Jahren ist irgendwie alles zu spät gewesen. [Alle lachen]

BCSM: Das Virus ist auch ein gutes Stichwort. Dreht sich bei euch musikalisch alles um Bassmusik oder ist da auch Platz für andere Genres? 

Nico: Also im Bereich Veranstaltungen ja, es dreht sich um Bassmusik. Privat höre ich ganz unterschiedliche Musik. Ich glaube auch, dass man in fast jedem Genre, wenn man tief genug diggt, was für sich findet. So ein paar Genres kann ich da schon ausschließen, aber selbst bei House oder Techno gibt es Sachen, die mich total berühren. Wenn das Setting auf einem Festival und die Menschen um mich herum passen, kann das mich mitnehmen. Aber auch Funk und Soul und ich bin für Vieles total offen. 

Ich nehme das grundsätzlich auch auf, wenn ich mich mit den Gästen unterhalte. Klar nerden wir da viel über Musik ab. Bei vielen waren auch Leute wie Bukez Finezt oder so, die schon straightforward Musik produzieren für den Club und dann daheim auch ganz anders ticken und ganz anderen Sound für sich hören. Wenn sie ins Studio gehen, dann haben sie einen ganz anderen Fokus und produzieren Musik für den Club und ich glaube, das ist auch ganz wichtig.

Was grundsätzlich mittlerweile jetzt auch in diesem Bass-Spektrum zutrifft. Aber ich glaube auch, dass es auf anderen Veranstaltungen immer besser funktioniert, dieses Thema Genres zu mischen und querbeet zu spielen. Einfach weil die Kids heutzutage mit Spotify aufwachsen und ein ganz anderes Spektrum an Musik Einfluss haben als wir. Da ergibt sich die Chance, sich untereinander zu beeinflussen und zu inspirieren, was, glaube ich, ganz wichtig ist. 

Chris: Bei mir kommt auch mal Schwermetall in die Playlist. Also ich bin durch meine Eltern sehr Heavy Metal, Rock, Rockabilly, Musiklastig aufgewachsen. Also mein Dad ist ein sehr großer ACDC, Sepultura, Metallica Fan und sowas ist bei mir daheim gelaufen. Ich höre ab und an auch gerne mal Manowar oder Slayer. Und schaue mir schon auch gerne einen Live-Auftritt beim Wacken an oder solche Geschichten. Weil es einfach auch geil ist. 

Auch mit unserer Veranstaltungsreihe mit der Bassdusche. Das war auch schon eine Nummer, dass wir genreübergreifend, nicht nur Dub, Reggae sondern auch Dubstep, Future Bass, Drum & Bass und Jungle da mit rein machen wollten. Dass einfach eine schöne homogene Masse entsteht zu einem schönen Bass Brei. [alle lachen]

Aber ansonsten läuft bei mir auch easy listening Zeug, ich höre viel Dub-Techno, afrikanische Musik, viel Piano Mixe, weil die eine sehr besondere Energie haben. Ansonsten auch gerne etwas Neues, woran die Ohren und die Synapsen noch nicht so gewöhnt sind, also auch neue Beatstrukturen, neue Instrumente oder, die Instrumente in einer Art und Weise hervorgehoben oder in den Hintergrund gerückt werden, wo man sich gedacht hat “what the fuck, okay geht ja auch und hört sich mega nice an”. Ich glaube allgemein sind wir als Festival wie auch die Leute, die hier unterwegs sind, schon gut aufgestellt und können schon ein breites Spektrum an Musik anhören. 

 

BCSM: Die nächste Frage ist kurz, aber knackig. 

 

Nico: 42! Nächste Frage. [alle lachen]

 

BCSM: Was sind eure drei Lieblingsplatten momentan?

 

Nico: Boah, ich bin so schlecht teilweise mit Titeln. Fang du mal an [D-Man] dann habe ich mehr Zeit zum Überlegen.

Chris: Drei Lieblingsplatten, die ich aktuell höre. Hm…

Es gibt aktuell tatsächlich keine drei Platten, die ich in Rotation höre. Das gibt es bei mir leider nicht. Ich bin so ein Music-Addict. Ich muss bzw. kann nicht aufhören, viel Musik zu konsumieren. Irgendwie auch schon allein durch die Radiosendung bin ich quasi immer dazu genötigt. Mein Postfach quillt immer über. E-Mails, Promo-Geschichten und ich muss nach Qualität aussuchen, aber ich bin eher so der Show-Hörer. Ich höre mir die Sufferahs Choice von Stryda an oder ich höre mir die Rootikal Radioshow von TKZ und Uli an. Ansonsten die King Shiloh Geschichte, die sie auf Youtube machen und BBC-Rodigan. Da hält man sich so ein bisschen auch auf dem Laufenden, das sind die Kanäle. Aber es gibt leider keinen Künstler, den ich jetzt gerade nennen könnte. Da wäre nur Mezcal aus Frankreich, der mich gerade gepackt hat. 

Nico: Ich tue mir da auch ein bisschen schwer. Ich habe meine Labels bei denen ich weiß: die liefern Quality. Wo ich eigentlich jedes Release kaufe, um sie auch zu unterstützen. Das letzte SYSTEM Release mit Numa Crew. Moonshine Recordings, die letzte Radikal Guru, die auch gestern rausgekommen ist. Die habe ich gestern gar nicht gespielt. Ich glaube heute werde ich den Tune auspacken. Ich bin einfach mal meine Playlist für heute Abend kurz im Kopf durchgegangen…Ohne dass ich euch da jetzt konkrete Titel nennen kann, weil so funktioniere ich nicht. Ich habe immer nur das Cover im Kopf. Infernal Sound. Labels, wo ich immer weiß, die funktionieren. Die machen auch noch einen anderen Horizont auf. 

Chris: Mir ist noch eins eingefallen und zwar das aktuelle Release von Akae Beka, Glory. Oder I Grade Dub von Tippy, das kann ich auf jeden Fall sehr empfehlen. Das ist eine nice Scheibe mit schönen Features wie Micah Shemaiah oder Michael Rose. Ansonsten habe ich vor kurzem wieder ein schönes Album gehört: Ganjaman, Resonanz von 2003 mit Beiträgen von Junior Randy. Im deutschsprachigen Bereich kann ich das auf jeden Fall empfehlen. 

 

BCSM: Wir würden euch zum Abschluss noch einmal die Möglichkeit geben: Gibt es etwas, was ihr unseren Leser*innen erzählen oder mitgeben wollt? 

 

Nico: Für mich ist Musik so ein Connection Ding, wo ich immer wieder merke, wie wichtig es ist Menschen zusammenzubringen und sich auszutauschen und nehme jetzt auch, wenn man diesen Oberbegriff “Bass Szene” nehmen will, sie als sehr offen wahr. Ich fände es auch schön, wenn man sich gegenseitig auch deutschlandweit unterstützt. Gerade die Dubstep Szene ist gerade ziemlich klein und man kennt die paar Leute in anderen Städten in Deutschland mittlerweile und wir machen gerne auch mal so dieses Booking – Gegenbooking. Man spielt ohne Gage, weil einfach alle Lust haben und keiner das macht, um irgendwie Geld zu verdienen. Das ist das Wichtigste und das sind auch diese Momente, wo man merkt, wofür man das macht. Klar kostet es viel Zeit und Energie im Vorfeld das Ganze zu planen, aber wenn man dann sieht, wie die Menschen zusammenkommen, Inspiration tanken, grinsen, einfach eine gute Zeit haben und im besten Fall auch noch so ein bisschen Message in der Musik ist… Aber auch die muss gar nicht immer dabei sein. Einfach nur seinen Kopf frei bekommen und den Moment fühlen…das ist für mich auch Clubkultur und Grund, wieso wir die Veranstaltungen machen. 

Und Connection. Verbindet euch! Fragt die Leute, die mehr Erfahrung im Veranstaltungs-Business haben. Von denen kann man immer lernen. Respect the Elders sowieso. Es gibt schon viele Menschen, die so den Grundstein gelegt haben und so ein bisschen tiefer einzutauchen, woher manche musikalische Strömungen kommen, wer in Deutschland Grundstein für manche Genres gelegt hat, mit Veranstaltungen, ist glaube ich einfach gut und that’s it.

Chris: Word Sound and Power. 

 

BCSM: Nice. Dann sagen wir vielen Dank und nächstes Jahr … Oh ja, geheime Frage… also Zusatzfrage. [Alle lachen] Wisst ihr schon was für nächstes Jahr? Gibt es schon Bookings oder irgendwelche Infos? Ein Teaser?

 

Nico: Ein Teaser? Auf meiner Wunschliste habe ich schon viele Leute im Kopf für nächstes Jahr. Will aber noch nichts anteasern, weil wir noch nicht mit Agenturen und auch im Team noch gar nicht weiter gesprochen haben. Wird gut nächstes Jahr! Das ist der Teaser.

Chris: Definitiv noch mehr Female Power. Safe. Also ich würde mir wünschen, dass es ein 50-50-Ding ist, was die Headliner angeht. Mit den Crews ist das schwierig umzusetzen, mit der 50-50-Geschichte. Weil es leider nicht so viele Female und diverse Crews gibt. Aber wir wollen versuchen, ihnen auf jeden Fall weiterhin mehr Plattform geben zu können.

Interview by Kilo Jules & Ju Lion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert