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dotBass Interview Special Part 2 – Georg (Jah Chalice Soundsystem)

Weiter geht’s mit dem zweiten Teil unseres dotBass Specials. Diesmal im Gespräch mit Georg vom Jah Chalice Soundsystem.

BCSM: Willkommen zurück. Wir hocken immer noch im Backstage auf dem dotBass Festival 2023 und inzwischen sitzt uns gegenüber Georg von Jah Chalice Soundsystem. Für alle, die dich nicht kennen: Wer bist du und was machst du? 

Georg: Einen schönen guten Tag meine Freunde. Ich bin Georg von der Jah Chalice Crew und komme aus einem kleinen Dörfchen bei Freising, dort haben Johannes, Lukas und ich angefangen unser Soundsystem zu bauen. Seither sind wir on the road als Jah Chalice und freuen uns auch dieses Jahr wieder beim dotBass Festival dabei zu sein. Gestern war es schon so soweit. Ein wunderbarer Abend mit Dubkasm feat. Solo Banton. Wir haben auch selbst gespielt und heute geht es in die zweite Runde.

BCSM: Dann bleiben wir kurz bei dotBass und zwar: Was bedeutet das dotBass Festival für dich persönlich? Beziehungsweise für euch auch als Crew?

Georg: Nachdem wir Teil des Hauses sind bzw. hier selbst eine Veranstaltungsreihe unter dem Banner “Education in Dub” machen, welche viermal im Jahr stattfindet, ist es uns eine große Freude, diese Stage immer im November zu hosten. Es ist einfach etwas ganz Besonderes, weil in Deutschland nicht so viele Crews, nicht so viele Styles an Bassmusik zusammenkommen, und ein Teil davon zu sein, fühlt sich einfach gut an. Ich bin super dankbar dafür, dass wir das machen können. Unsere Boxen und Equipment hier aufstellen, quasi unsere Charakteristik über unser Jah Chalice Soundsystem an die Leute zu bringen. Und ich glaube, das Konzept unter dem Banner “dotbass” war von der ersten Veranstaltung an super fruchtbar. Jeden Sonntag, wenn das dotBass vorbei ist, kurz bevor wir ins Auto steigen, haben wir meistens schon wieder die nächsten Ideen, so die Richtung “Komm lass mal überlegen, was wir nächstes Jahr machen könnten.” Dieser Samen wurde mal gesät und der Baum mit den Früchten wächst stetig weiter… Forward!

BCSM: 2015 war die erste dotBass Edition und ihr seid von Anfang an dabei. Hast du ein Highlight aus diesen 8 bzw. 6 Jahren [wegen Pandemiepause] dotBass?

Georg: Also ein Highlight muss ich schon sagen, war das erste Mal, als Mungo’s Hi Fi da war. Dieser Moment war einfach magisch, wie das zelebriert wurde. Alle Leute waren wie gefesselt, haben der Selection zugehört und sind abgegangen. Ein weiteres Highlight war eine Ausgabe dotBass mit Mala, an dem wir ein ähnliches Setup hatten wie heute. Sprich so eine typische DJ Booth, links und rechts das Stack auf Höhe des DJs. Die Leute sind einfach mit dem Wellenbrecher vor dem DJ gesprungen, komplett am Ausrasten. Es klingt immer so nach einem Plan, der funktioniert, wenn die Energie von dem Künstler auf die Leute übergeht. Krasses Happening und von daher bin ich auch sehr gespannt, was heute Abend mit Von D und Rider Shafique passieren wird.

BCSM: Dreht sich in deiner Freizeit auch alles nur um Bassmusik oder was für Genres und Styles sind da so vertreten?

Georg: Ihr wollt es wirklich wissen, oder? 

BCSM: Natürlich.

Georg: Ich muss sagen, es ist sehr facettenreich. Ich bin aufgewachsen mit starker Rock Influence, maßgeblich von meinem Elternhaus ausgehend. Das Typische, Aerosmith und was es alles gab. Ich habe mich auch eine ganze Zeit mit dem Genre identifiziert bzw. hab es gefeiert, bis ich dann im jugendlichen Alter auf den Hip-Hop-Zug aufgesprungen bin. Sämtliche deutschsprachigen Hochkaräter habe ich auch live im Konzert gesehen im Alter von 15 – 18 Jahren. Zu Gast auf dem Splash, dort die Beginner, Samy Deluxe und weitere der deutschsprachigen Szene gesehen. Dann kam auf jeden Fall der deepe Impact von Roots Reggae, Dub, Soundsystem Culture, was mich bis Tag heute sehr stark beschäftigt und ebenso viel Raum einnimmt. Nebenbei steht tatsächlich Heavy Metal, Death Metal mit auf dem Tagesprogramm. Ich sage, ich brauche immer mal wieder eine andere Seite. Auch in der Arbeit mit meinen Kollegen läuft oftmals Slipknot und Ähnliches. Was ein super Ausdruck von Gefühlen ist und Energie freilässt, wie es auch tiefe Basslines und mitreißende Stepper Dubs schaffen. Diese Musiker, die da einfach krass auf die Kacke hauen oder ihr Instrument richtig professionell beherrschen. Da bin ich auch schon öfters auf Konzerten gewesen, macht ebenso Spaß. Und momentan geht es auch noch so ein bisschen in die Akustikrichtung. Ein paar Hifi-Geschichten, die ich mir daheim reinziehe. Aber das ist dann tatsächlich eher zum Abschalten vom Alltag, dass ich daheim auf der Couch sitze und mir dann eher was ruhiges anhöre. Die Zeit für das ganze musikalische Leben neben arbeiten und Familie mit einer Tochter ist sowieso nicht mehr so viel, weil ich auch viel beim Radfahren, Downhill, Dirtbiken unterwegs bin. Das muss man jetzt alles sehr gut takten, dass man noch Zeit dafür findet. 

BCSM: Zu Jah Chalice… ihr seid in letzter Zeit schon öfter mal unterwegs. Auch außerhalb Deutschlands und habt eine sehr gute Konnekte nach Frankreich. Wir haben uns gefragt: Was ist als nächstes auf der Karte? Wo geht es als nächstes hin? Was ist so der Plan? 

Georg: Genau, in zwei Wochen sind wir schon in Österreich in Freistadt bei den Dreadlions. Haben viele Termine und ein paar Anfragen für Sessions. Unter anderem wieder von Festivals in Frankreich für nächstes Jahr. Was uns auf der Landkarte noch fehlt, sind die Niederlande, Spanien, Portugal und Belgien. Wir haben einmal in Belgien gespielt, aber nur ein DJ Set, die Massive dort kennt unsere Anlage demnach noch nicht. Ich meine mich zu erinnern, in Italien waren wir auch noch nicht mit Anlage, da kommt mir gleich das Zion Station Festival in den Sinn ;). Ich bin schon mit ein paar Crews am Schreiben wegen einigen Dates im Ausland, es bleibt also spannend, was kommt. Also noch nichts confirmed, aber so in die Richtung geht´s.

BCSM: An der Stelle ein kurzer Shoutout an die Dreadlions. Richtig gute Releases. 

Kennst du das Gear Acquisition Syndrome (GAS) und falls ja, wie stehst du dazu?

Georg: Verdammt, ich kenne es nicht, kläre mich bitte auf. 

BCSM: Es kommt hauptsächlich aus der Musikszene, egal ob das jetzt Equipment von DJs, Soundsystems oder Instrumente, Effektpedale etc. sind. Weil mein persönlicher Eindruck ist jedes Mal, wenn ich vor den Chalice Controls stehe, ist irgendwo ein neues Kästchen verbaut und irgendwo wieder eine andere Anordnung oder eine komplett neue Kiste, die da steht… genau. 

Georg: Jetzt verstehe ich, was du meinst. [alle lachen] 

Ich glaube, es ist einfach ein fortlaufender Prozess. Beim Rest der Crew ist es nicht so stark ausgeprägt, aber bei mir ist es besonders extrem, dass ich schon beim Abbauen und Verladen ins Auto die nächsten Gedanken habe: “Damn, ich muss dieses oder jenes verändern.” Ein Beispiel: Die Mics waren beim Dubcamp einfach am Limit. Es hat nicht funktioniert mit dem Kompressor; und das an markanten Stellen, als beide Sänger parat waren. Die Mikrofone haben nicht funktioniert oder haben Aussetzer gehabt, weil der Kompressor einfach zugemacht hat. Und das Gear einfach nicht gepasst hat, weil das nicht die richtige Abstimmung war. Da ging es halt dann gleich weiter… Wir sind heim gekommen, ich habe das Gerät ausgebaut, verkauft und mich auf die Suche nach dem Richtigen gemacht. In der Hinsicht geht es einfach in jede Richtung. Sei es Signalweg optimieren, neue Tonabnehmersysteme, Kabel verändern, Strukturen, alles mögliche. Gerade auch was Effekte angeht, ist die Welt groß, was ein Gitarrenspieler an zig Tretminen haben kann. Genauso kann man das sinnbildlich aufs Soundsystem übertragen, dass man da auch sämtliche Effekte anstecken und ausprobieren kann. Es tönt natürlich alles unterschiedlich und da das Richtige zu finden, da kann man viel probieren und auch ziemlich viel Zeit investieren.

BCSM: Man muss ja Sachen ausprobieren, um so einfach zu wissen, wie es dann klingt. Genau: Könntest du dich aktuell festlegen auf drei favorisierte Releases, also “Lieblingsplatten”, Platten, die du immer dabei hast o.ä., oder ist es nicht möglich?

Georg: Wow. Also es ist aktuell sehr schwierig für mich, gerade mit den Sessions, die wir jetzt gespielt haben… Man kriegt viele Sachen geschickt von Produzenten und Artists, die auch auf die Sessions kommen – DANKE! In Frankreich so: “Hi, hier hast du meine neuen Releases”. Und ich bekomme auch online relativ viel Prereleases zugeschickt. Und dann zu checken, hey, ist das schon released worden? Oder ist es noch in the Making, also gerade im Prozess im Presswerk? Jetzt ist es gerade schwierig, mich auf favorisierte fertige Releases festzulegen. Ich kann auf jeden Fall die Ishmael Ensemble Rider Shafique Nummer nennen, die gerade im Dubkasm Remix rausgekommen ist. Die habe ich auch schon als Prerelease in Frankreich gespielt und das war tatsächlich ein totales Erdbeben. Total mystikal, der Vibe und auch der Mix, besonders, wenn man auch das Original dazu kennt. Das würde ich auf jeden Fall zu einem Favourite zählen. Spontan würde mir noch die neue Roots Descendents Scheibe mit Ical Ises und Heiner aka Conscious Fyah einfallen. Auch eine sehr schöne Nummer, ich habe auch den Entstehungsprozess ab der Idee mitbekommen. Wir haben mit dem Sound auch die Testpress gespielt und jetzt das finale Projekt, die Scheibe mit dem Artwork in der Hand zu halten: Es ist eine total gelungene, geniale Scheibe, so viel dazu. 

BCSM: Die internationale Soundsystem Szene wächst und gedeiht. Also zumindest ist das so mein Blick oder unser Blick auf die Dinge, dass es immer mehr Veranstaltungen gibt, mehr Soundsysteme poppen aus dem Boden. Nachdem ihr schon eine Weile unterwegs seid: Gibt es irgendwelche Geheimtipps, die du vielleicht uns und unseren Leser*innen geben möchtest an Festivals, Locations oder vielleicht auch einfach eine lokale Szene oder eine Stadt, wo du durch deine Soundsystem Works hingekommen bist und dir gedacht hast: “Boah ja, das ist etwas Besonderes.”

Georg: Tatsächlich würde ich sagen, wenn man auf Reggae und Dub Musik steht und auch diese Soundsystem Kultur lebt, dass das Dub Camp, das absolute Mekka für genau diese Leute ist, weil da an vier Tagen, vier große Bühnen, vier Zelte stehen, wo jeden Tag verschiedene Soundsysteme spielen. In einem ist sogar Conference, wo jeden Tag drei Soundsysteme stehen, die abwechselnd spielen. Man erlebt jeden Tag wieder komplett neue Soundsysteme und das ist wie ein Traum, der nicht real erscheint. Uns hat das ziemlich überfordert als wir dort waren, so dass du sagst: “Heute waren eigentlich schon vier Dances gleichzeitig.” Und am nächsten Tag hast du wieder vier Dances gleichzeitig, wo du dich einfach nicht entscheiden kannst zwischen dem Hochkaräter, der oben auf dem Berg spielt, oder unten auf der Stage und natürlich ist alles gehostet von großen Anlagen und großen Künstlern. Das ist schon ganz besonders ich würde sagen, dass man da alles abgreifen kann, was so aktuell kursiert in der Szene. Und sonst würde ich schon fast wieder sagen, ist so etwas wie das dotBass Festival hier eigentlich genau die Nummer, die man besuchen sollte, wenn man auf diese Bassmusik und Basskultur steht, weil da auch ziemlich viel geboten wird an verschiedenen Styles. 

Lasst mich kurz überlegen… Es gibt natürlich viele Crews. Ich würde sagen, in München ist sehr viel Angebot auch an Soundsystems und Sessions, die man besuchen kann, da findet regelmäßig etwas statt. Genauso auch wie in Münster, die haben auch eine ziemlich coole Location, das Triptychon. Dort gibt es auch ziemlich viele Crews, die das auch ungefähr jedes zweite Wochenende zelebrieren, dass da wieder ein anderer Sound steht, ein anderes Meeting ist, die auch Künstler aus UK oder Europa einladen. Sonst kann ich noch aus Erfahrungen sprechen: Wir waren früher auch schon ein, zwei Mal auf dem Amsterdam Dub Weekender, gehostet von King Shiloh. Ich glaube das ist jetzt auch wieder im Dezember mit Aba Shanti und Slimmah Sound. Lyrical Benjie ist da wieder am Performen. Das ist auch immer ein ziemliches Highlight so zum Jahresende. Ansonsten machen wir noch die Rootsbase Stage auf der Fusion. Das ist auch, würde ich sagen, ein ganz besonderer Ort. Dandelion und wir mit Jah Chalice schließen da unsere Anlagen zusammen und hosten die große Rootsbase Stage über vier Tage… oder fünf [lacht] – viele Tage auf jeden Fall. Da haben wir auch die Möglichkeit Künstler einzuladen, um eben auch Roots Reggae und Dub auf diesem Festival zu präsentieren. Es gab auch noch ein kleines Rootsbase Festival, das wir selbst veranstaltet haben im Süden Deutschlands, da würde ich auch mal die Daumen drücken, dass so etwas wieder zustande kommt. Eher kleiner gehalten mit bis zu 500 Leuten und zwei Stages und mehreren Soundsystems. Das wäre eine ganz schicke Nummer.

BCSM: Dann geht’s jetzt etwas tiefer rein und zwar wenn du die Soundsystem Szene vielleicht sogar global betrachtest. Gibt’s da irgendeine Entwicklung, wo du sagst, das finde ich gut, dass es sich dahin bewegt, oder könnte es in den nächsten Jahren irgendwie uncool werden? 

Georg: Ich würde sagen, kritisch nicht. Es gab natürlich schon mal diese Le und La Dub Geschichte, witzigerweise von Alpha Steppa. Was ich jetzt einfach übersetzen würde, ob es sich in Richtung Roots and Culture entwickelt oder ob es halt in Richtung Techno Rave Party geht. Ich glaube, diese zwei Extreme kristallisieren sich nach wie vor heraus und ich glaube, die werden sich auch noch ein bisschen stärker abspalten. Was aber nicht heißen soll, dass das eine nicht mit dem anderen funktioniert und ich sage mal ganz klassisch wird ja so ein Abend auch mit Roots and Culture gestartet und endet mit etwas Schnellerem, Digitalerem Steppigerem. Genauso wie auch gestern das Set von Dubkasm. Er fängt auch mit Roots Classics an, wo einfach die Nadel zehn Sekunden drauf ist und er uns den ersten Pull-up gibt und alle Leute grölen und die tragen den Vibe halt über gewisse Produktionen hin bis zu den eigenen exklusiven, steppigen Dubplates. Das bildet einen schönen Bogen, den er und auch andere spannen, um ihr Set zu zelebrieren. Von daher würde ich sagen: diese zwei Extreme gibt es und sind auch für uns nach wie vor spannend zu beobachten. Ich versuche mich da auch immer oder wir versuchen uns auch immer irgendwie zu positionieren. Aber es ist eigentlich gänzlich schwierig. Als extremes Beispiel: Spielt man wie Jah Shaka oder man spielt wie OBF? Das sind eben zwei ganz unterschiedliche Spielstile, würde ich sagen. 

Um auf die Gefahren einzugehen. Das fand ich jetzt auch noch ganz interessant, das gefragt zu werden. Ich komme mittlerweile immer an den Punkt, dass ich sage: Soundsystem birgt eine gewisse Gefahrenquelle. Bei Sounds, die nicht wissen, wie sie mit ihrem Equipment umgehen sollen, beziehungsweise die auch eine große Verantwortung für das Publikum haben. Wenn ich vor dreißig Leuten spiele, kann ich dreißig Leuten die Ohren kaputt machen. Aber wenn ich vor dreitausend Leuten spiele, kann ich dreitausend Leuten die Ohren kaputt machen. Mir stellt sich da immer die Frage: warum muss man so laut sein oder warum hat man sein Equipment nicht im Griff? Da sollte man dieser Verantwortung gerecht werden und schauen, dass das Level einfach passt. Wo ich wieder zu der Technikfrage komme: Ich versuche immer wieder Sachen zu erneuern, auf dem neuesten Stand zu sein, dass das Mikrofon ordentlich klingt, dass es nicht over the Top geht. An dem Punkt ist global die Szene so ein bisschen auf dem 80er/90er “Original Gear” gefangen oder sucht da sein Vorbild. Ich mag mich da jetzt nicht abheben oder so, aber glaube es ist einfach an der Zeit, dass man sagt “hey man ist ein “New School Sound”, das ist jetzt bloß ein Begriff, aber man betreibt den Signalweg ein bisschen anders, um mehr Kontrolle zu haben über die ganze Nummer, was in diese große Verantwortungsnummer reinfällt. Ich möchte für mein Publikum doch wissen, was ich tue, und auch, bis zu welchem Punkt ich die Anlage aufdrehe. Genauso wie echte Instrumente im Griff haben, Sirenen und auch Mikrofone für die Sänger. 

BCSM: Um das Ganze jetzt noch umzudrehen: Siehst du auch irgendein Potential, das vielleicht auch noch gar nicht erschlossen ist, wo du sagst: “Ey, das ist der Weg. Das wäre super schön, wenn es so laufen würde oder es sich dahin entwickeln würde?” 

Georg: Was ich beobachte, ist auch gerade dieser Trend in Frankreich, dass es super viele kleine Crews gibt oder diese Associations, die auch Partys veranstalten. Sie kaufen sich Boxen oder bauen sich selber zwei Scoops, vier Scoops und machen da Events. Das finde ich eigentlich gut zu beobachten, dass es einfach möglich ist, heutzutage mit relativ einfachen Mitteln Equipment zu kaufen oder anzuschaffen und auch das vorhandene Wissen ist einfach zu erreichen. Weil es gab eine Zeit, also ich möchte jetzt auch so ein bisschen unsere Anfänge ins Spiel bringen, wo das ganze Gebiet einfach nicht erschlossen war. Wir haben letztlich Ical von Dandelion in der Nachbarschaft gehabt, bei dem hat dann mehr oder weniger oft das Telefon gelitten, und so “Eeey, kannst du mir die Frequenzweiche erklären? Und was brauche ich überhaupt, kannst du mir helfen?” Heute dagegen ist es viel einfacher, dass aktive, motivierte Leute, die von Soundsystem Culture infiziert sind, mit relativ wenig Mitteln loslegen können, das sehe ich total positiv. Man macht es im kleinen privaten Kreis, dass man eine Veranstaltung macht, oder man geht in eine kleine Venue und sieht einfach, was nach ein paar Wochen, Monaten, Jahren rauskommt. Genauso war es bei uns auch in Clisson, wo wir in Frankreich waren. Die Association, die uns eingeladen hat, war auch super jung. Zwischen 20 und 25, eine Crew, aus fünfundzwanzig, dreißig Leuten und die haben gemeint “ja, wir sind das erste große internationale Booking, das sie machen.” Das Soundsystem, das sie holen und dann noch Moa Anbessa als internationalen Act, die noch darauf spielen. Die haben halt einfach alles organisiert von gemütlichen Couchen, die sie mit dem Sprinter für das Backstage hingefahren haben, und Activities, die dann im Innenhof standen für den Nachmittagsspaß, wo auch schon am Nachmittag ein kleines Soundsystem stand, auch von dieser Association, auf dem lokale Künstler gespielt haben und Instrumentalisten. Also ja, da ist einfach volles Potenzial und einfach pure Energie dahinter, dass man so etwas aufzieht und am nächsten Tag noch irgendwie die Riesenhalle schrubbt, Tausende von Bechern abspült, etc. Also die haben wirklich von A bis Z alles gemacht und das ist einfach super schön mit anzuschauen. Da geht der Trend auf jeden Fall hin, würde ich sagen. 

BCSM: Ja, erstmal schon mal vielen Dank für deine Zeit und vor allem vielen Dank für deine Works, Insights und auch für deine Teachings über die Jahre von dir an uns und mich auch. Das schon mal hier festgehalten. Gibt es irgendwas was du vielleicht noch sagen möchtest, irgendwas was du unseren Leser*innen mitgeben möchtest? Hau raus!

Georg: [Schmunzelt] Es ist wahrscheinlich sehr provokant, aber legt euch gute Phono Preamps für euer Soundsystem oder zu Hause zu! Es gibt nichts Schlimmeres als integrierte oder dünn klingende Phono Preamps, deren Schaltung und Aufbau einfach nur zehn Euro oder weniger kosten. Nahezu jeder Musikproduzent gibt sich unendlich Mühe, seine Produktionen so dynamisch wie möglich in tollem Stereo auf Vinyl zu pressen. Es scheitert dann beim Hörgenuss eben genau an dieser Dynamik durch billige Komponenten. Wer mal einen A-B Vergleich mit Phono-Preamps gemacht hat, wird mit Sicherheit wissen, was ich meine. Nicht nur mir ist bei so einem Test die Kinnlade runter gefallen. Von daher: Feilt an eurem Gear und dann wird das Ergebnis auf jeden Fall fabelhaft sein. 

Interview by Kilo Jules & Ju Lion

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